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Bericht Lehrer_innen mit Migrationshintergrund

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Schule und Familie – Funktionen, Herausforderungen, Entwicklungen in Deutschland und der Türkei“ fand am 14. April 2016 von 14-18 Uhr auf Einladung der Deutsch-Türkischen Akademie (Detu) und des Instituts für Erziehungswissenschaft eine Tagung zum Thema „Lehrer*innen mit Migrationshintergrund als Vermittler*innen – Chancen und Dilemmata“ statt. Nach einer Begrüßung durch Salim Özdemir (Vorsitzender Detu) und Prof. Dr. Carla Schelle, die die Veranstaltung moderierte, entwickelten sich teils lebhafte Diskussionen unter den über 30 Teilnehmer_innen zumeist aus Schule und Universität. Organisiert und inhaltlich vorbereitet wurde die Tagung von Frau Dr. Christine Schlickum und Yalız Akbaba M.A. (beide Institut für Erziehungswissenschaft der JGU).

Anlass für diese Tagung war bzw. ist die seit Jahren geführte bildungspolitische Debatte um die Forderung, den Anteil an Lehrkräften mit einem sogenannten Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem zu erhöhen. Dabei werden an deren biografischen Hintergrund besondere integrationspolitische Erwartungen geknüpft wie Vorbildfunktion, Integrationshelfer, Brückenbauer u.v.m. Vor dem Hintergrund neuer wissenschaftlicher Untersuchungen zeigt sich immer wieder: Wenn schulische Situationen kulturalistisch gedeutet und aufgeladen werden, dann animiert die Vermittlerrolle dazu, Schemata von „Wir und die Anderen“ zu übernehmen, oft mit ungünstigen Konsequenzen für Minderheitenzugehörige.

Zunächst wurde das Tagungsthema aus drei wissenschaftlichen Perspektiven näher beleuchtet. Yalız Akbaba M.A. präsentierte Befunde und Ergebnisse aus ihrem Dissertationsprojekt zu den Anforderungen an Lehrer*innen, denen ein sogenannter Migrationshintergrund zugeschrieben wird im alltäglichen Schulbetrieb. Dipl. Päd. Anna Aleksandra Wojciechowicz (Universität Bremen) stellte aus ihrer Dissertation Beispiele zu den Umgangsformen mit Student*innen mit Migrationshintergrund im Schulpraktikum vor. Dr. Christine Schlickum erläuterte die Implikationen von Sprache und Vielfalt im studentischen Milieu. Im zweiten Teil der Tagung wurde dann zur Auseinandersetzung über zuvor dargelegte dokumentierte schulische und universitäre Alltagssituationen in Workshops eingeladen. Dabei ging es vor allem um die Frage, wie Vermittlungen aussehen können, die nicht Grenzziehungen verstärken, sondern dazu beitragen, kulturalistische Deutungen im Lehrer- und Klassenzimmer zu reflektieren und voreilige Zuschreibungen künftig zu verhindern. In einer abschließenden Runde wurden die Ergebnisse der Workshops vorgestellt, anregend diskutiert und der wichtige Beitrag der drei vorgestellten Projekte für den Umgang mit Differenz in der Schule und der Lehrer*innenbildung bilanziert.

Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem ZBH statt und wurde durch die institutsinterne Forschungsförderung des IfE unterstützt.

Christine Schlickum/Carla Schelle

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